Selbstfürsorge

Tl;dr genug Schlaf, genug Essen und lieb zu euch sein

Ich habe heute den Blogbeitrag aktivismus vs self-care gelesen. (Ich empfehle diesen ausdrücklich.)
Dabei hab ich festgestellt, dass ich das eigentlich zumeist ganz gut hinbekomme mit dem auf mich aufpassen. Das konnte ich noch nciht immer, ich musste das lernen. Und weil ich mir sowas aneignen konnte bin ich mir sicher, ihr könnt das auch und vielleicht lernt ihr ja was aus meinen Erfahrungen/Erzählungen.

Ich war traumebedingt in der Psychatrie, also stationär. Insgesamt waren es 14 Wochen (glaube ich, ich bin nicht ganz sicher). In dieser Zeit hab ich viel gelernt, über mich, über gute und schlechte Angewohnheiten, wie ich mit mir umgehen muss, damit ich mich akzeptieren kann und irgendwann auch mögen.

Zu erst mal: Dinge, die ich sehe/lese/höre haben je nach Tagesform unterschiedliche Auswirkungen auf mich. Heißt: wenn ich sowieso schon gestresst bin, dann ist ein Bild, was mich „normalerweise“ kalt lässt vielleicht schon zu viel.

[Kurzer Exkurs zu Stress – was das ist:
Stress ist erstmal unabhängig davon, ob es positiv ist oder negativ. Gemeinhin wird davon gesprochen, dass der stressigsten Tage im Leben eines Menschen die Hochzeit und der Todestag des*der Partner*in ist. Das eine ist hoffentlich stark positiv, wenn man* es schon macht, das andere wohl eher drastisch negativ.
Stress ist also unabhängig von gut oder schlecht.
Desweiteren ist Stress nicht nur emotional bedingt, sondern auch durch äußere Reize auslößbar: Lärm, Rauch, irgendwelche Substanzen und, ganz wichtig, persönliche Stressoren, also Dinge, die andere gar nicht stressen oder nur sehr wenig, einen selbst aber sehr stark. Die sind meist geschichtsbedingt und können alles sein.
Symptome für Stress sind z.B. beschleunigter Puls, erhöhter Blutdruck, Schweißbildung, verminderte Schmerzempfindlichkeit {und viele mehr, siehe Stressreaktion}.]

Ich muss also irgendwie raus bekommen, wie gestresst ich nun wirklich bin, damit ich einschätzen kann, was ich gegen den Stress unternehmen muss und wie viel davon.
Eine wirklich sehr einfache Methode: Einen Haushaltsgummi zwischen Daumen und Zeigefinger der einen Hand nehmen und mit der anderen, auch wieder mit Daumen und Zeigefinger, ohne hin zu gucken daran ziehen. Hört auf, sobald ihr das Gefühl habt, der Gummi ist gespannt.
Macht das einmal, wenn ihr morgens aufgewacht seid und wirklich entspannt seid (oder nach dem Baden oder so),  und guckt dann, wie weit eure Finger auseinander sind, bzw wie sehr der Gummi gespannt ist.
Je weiter der Gummi in einer Stresssituation gespannt ist, desto gestresster seid ihr.
Hintergrund dazu ist die verminderte Schmerzwahrnehmung und dadurch merkt ihr je gestresster, desto weniger Berührung und desto weiter zieht ihr auseinander, bevor ihr die Spannung des Gummis feststellt.

Nachdem jetzt ungefähr klar ist, wie ihr euren Stresslevel feststellt gibt es zwei Hauptunterscheidungen:
Niedrig genug, um „sanfte“ Entspannung durchführen zu können, oder so hoch, dass ihr eingreifen müsst, damit ihr weggucken könnt (z.B. von einem Video/Bild).

Wenn sanfte Entspannung noch geht:
Macht etwas, was euch an richtig gute Zeiten erinnert. Ich trinke Kaba, für euch muss das nix mit essen/trinken zu tun haben, vielleicht ist es ein bestimmter Geruch, vielleicht duschen, vielleicht ein Bild angucken, vielleicht sich vorstellen, ganz wo anders zu sein (Urlaub ist immer gut), vielleicht eine Kombination.
Mitunter helfen auch Achtsamkeitsübungen, also Üungen, bei denen man* versucht Dinge gaaaaanz bewusst zu machen, abwaschen ist da super geeignet, laufen auch (sehr erstaunlich wie viele Muskeln man* so bewegt beim laufen)
Wichtig: es sollte nicht zu kompliziert sein und möglichst mehr als eine Option geben, damit man* immer was hat, was hilft.

Wenn ihr wirklich eingreifen müsst, damit ihr den Kontakt zur Realität behaltet:
Ich kneif mich in den Arm, generell sind starke Reize wichtig.
Im Prinzip hilft fast jeder Schmerz (z.B. auf einen Stein treten mit bloßem Fuß), scharfe/unangenehme Gerüche, sowas eben.
Wenn ihr damit durch seid, dann tritt der Punkt drüber ein. Sanfte Stressreduktion.

Wenn es euch dann stresslevelmäßig besser geht: Umsorgt euch. Schlaft, kuschelt, guckt ruhige, langweilige Filme (!), macht nix, was irgendwie in Stress (positiv, wie negativ) ausarten kann.

Und dann: analysieren.
Das ist eigentlich der wichtigste Punkt.
Am besten mit jamand* anderem zusammen, der euch gut kennt. Beschreibt die Ausgangssituation, wart ihr schon vorher gestresst (zu wenig Schlaf, zu wenig Essen etc), was war konkreter Auslöser, was hat das gemacht?
Wenn ihr viel darüber redet setzten sich Bilder zum einen nicht fest, zum anderen lernt ihr euch besser kennen und das ist wichtig dafür, dass ihr das nächste Mal früher aussteigt, früher Dinge für euch tut, euch rausnehmt.

 

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir in die Kommentare schreibt, was ihr für euch tut.

Hartz4

Ich habe Hartz4 beantragt (bzw ich hab den Antrag gerade ausgefüllt). Ich hätte wohl, bis ich einen Job hab auch so überlebt, aber ich hätte mir die Krankenversicherung nicht leisten können und in Deutschland muss man versichert sein (ist ja auch nicht verkehrt).

Ich hab mich ziemlilch geärgert, dass ich jetzt zum Amt muss. Mich nackig machen. Sagen, wie wenig Geld ich habe, dass ich noch 5,11€ in der Tasche habe. Srsly? Die wollen wissen, wie viel Bargeld ich habe. 5,11€. Glückwunsch.

Das ganze System ist geprägt von Misstrauen, von der Angst, dass evtl jemand das missbrauchen könnte, dass ich gar keine Hilfe brauche und sie trotzdem beantrage.

Ich wollte das nicht.

Ich fühl mich deswegen sogar schlecht, obwohl ich glaube, dass ich der Gesellschaft(tm) durch den ganzen Ehrenamtsscheiß durchaus auch schon was gegeben habe. Trotzdem. Allein diese Bohrfragerei vom Amt macht, dass ich mich schlecht fühle dafür, dass ich Hilfe brauche.

Und das ist es, was mich sauer macht. In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich, wenn ich mich schlecht fühlen muss, weil ich gerade keine Arbeit habe?